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Zukunftsinvestition Müllverwertung


Hausmüllrecycling ist für die Zukunft der usbekischen Industrie von wachsender Bedeutung. Täglich fallen im Land mehr als 13 Tonnen trockener Haushaltsabfälle an, von denen nur 14 Prozent verwertet werden. Expertenschätzungen zufolge könnten allein über die Gewinnung von Sekundärrohstoffen und die Rückgewinnung von Metallen der Seltenen Erden 22 Mio. Euro erwirtschaftet werden, noch lukrativer wären Kunststoffrecycling und Altpapierverwertung.

Im Sommer 2017 waren 18 usbekische Führungskräfte zu einer Fortbildung bei der Export-Akademie Baden-Württemberg. Der Gruppe gehörten Vertreter dreier Branchen an, die derzeit in Usbekistan besonders gefragt sind: erneuerbare Energien, Holzverarbeitung / Möbelindustrie und Verwertung von nassen und trockenen Haushaltsabfällen. Gultschechra Nasirlajewa war mit einem konkreten Projekt nach Deutschland gekommen. Sie plant den Bau einer Müllverwertungsanlage. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Schokir Tursunkulow, einem Fachmann für „grüne“ Technologie, bemühte sie sich, deutsche Unternehmen für die laufende Projektausschreibung zu gewinnen. Für sie waren alle Themen wichtig: kommunale Abfallwirtschaft, Ingenieurleistungen, Müllsortierung, innovative Lösungen bei Verarbeitung und Recycling von Industrieabfällen, customer relations, staatliches Engagement, Rentabilität usw.

Dementsprechend waren die Gruppenbesuche bei der Stadler GmbH (Sortieranlagen) und der HSM GmbH (Schredder, Pressen etc.) für die Teilnehmer von ganz besonderem Interesse. In den Betrieben konnten sie nicht nur etwas über die neuesten technischen Entwicklungen erfahren, sondern diese gleich in Aktion sehen. Bei der HSM GmbH beispielsweise durften die Teilnehmer selbst die neuesten Festplatten- und Aktenvernichter testen, die sogar von Geheimdiensten verwendet werden. Auch die Schredder und Ballenpressen für Kunststoffe und Papier wurden intensiv begutachtet. Die Teilnehmer waren vor allem vom vergleichsweise günstigen Preis der Ballenpressen angetan. Für absolute Begeisterung sorgten dann die hochmodernen vollautomatischen Sortierlinien der Stadler GmbH, die Abfälle nach Form, Farbe oder Konsistenz so sortieren, dass fast 99 Prozent des Mülls weiterverarbeitet werden können.

Nasirlajewa und Tursunkulow arbeiteten bereits während der Fortbildung an einer Präsentation, mit der potentielle Investoren für den Bau der Müllverarbeitungsanlage angelockt werden sollen. Dabei verwendeten sie insbesondere auch ihre gesammelten Eindrücke vom Deutschlandbesuch. Ihre Begeisterung steckte auch die anderen Gruppenmitglieder an. Einige überlegen nun, ihr Arbeitsspektrum um den Bereich Müllverarbeitung zu erweitern, denn sie haben erkannt, dass das eine relativ freie Marktnische ist. In Usbekistan gibt es viel Müll, aber nur wenige müllverarbeitende Betriebe. Zudem kann man in diesem Segment nicht nur langfristig hohe Gewinne erzielen, sondern auch einen Beitrag zum Umweltschutz und zur Sauberkeit in den usbekischen Städten leisten.

Von Violetta Sticker
Exportakademie Baden-Württemberg, Tübingen
www.eabw.org