Aus dem Programm

loop-article-single.php

Wirtschaftsentwicklung und -förderung Made in Germany


Unter diesem Motto hätte die vierwöchige Fortbildung im Rahmen des MP für die kirgisischen Unternehmer an der DMAN ebenfalls stehen können. Die Teilnehmer, die meist auch gleichzeitig die Inhaber der Firmen waren, vertraten unterschiedlichste kleine und mittelständische Unternehmen vorwiegend aus Bischkek. Das Branchenspektrum reichte dabei von Lebensmitteln über Bauwesen, Textilherstellung, Druckerei, Gas und Öl bis hin zur Rosenzucht. Dementsprechend bunt waren die einzelnen Interessen der Teilnehmer. Alle wollten jedoch deutsche Produkte, Anlagen oder Maschinen kaufen. Sie waren ernsthaft an der Entwicklung bilateraler Wirtschaftsbeziehungen interessiert und wollten dafür ihr Wissen über die Wirtschaftsentwicklung und politische Mechanismen in Deutschland erweitern. Wirtschaftsförderung und kommunale Projektentwicklung standen ganz oben auf der Agenda.

Dafür boten sich während des Trainings die unterschiedlichsten Gelegenheiten. Allein schon die Diskussionen mit Vertretern der Stadt Celle und der IHK Lüneburg gaben wichtige praktische Informationen und Impulse und gleich der erste Unternehmensbesuch führte die Gruppe nach Hamburg in die Hafen-City. Am Beispiel des größten Stadtentwicklungsprojektes Europas wurde das Zusammenwirken von öffentlichen, kommunalen und privaten Akteuren von der Planung bis zur Umsetzung plastisch demonstriert. Professionell und äußerst interessant fand Zhipara Raimkulova aus Bischkek die praktischen Beispiele für urbanes Wohnen, ökologische und soziale Nachhaltigkeit der Infrastruktur sowie für die Bildung von Baugenossenschaften im Entstehungsprozess. Offen wurde über die Grundstücksvergabe sowie Wohnungspreise und die Höhe der Mieten diskutiert. „Dieses einzigartige Projekt hat uns gezeigt, was eine gut durchdachte Zusammenarbeit zwischen dem Staat und den privaten Investoren möglich macht“, sagte Zhanarbek Omurbekov aus Osch. „Die Kombination von luxuriösen und sozialen Wohnmöglichkeiten gepaart mit einer umfangreichen und perfekt konzipierten Infrastruktur ist aus meiner Sicht ein Traum jeder modernen Stadt der Welt“. Interessant fand er auch die Herangehensweise an die Vergabe der Grundstücke: Hier gewinnt nicht derjenige, der mehr Geld mitbringt, sondern der, der ein besseres und interessanteres Projekt vorlegt. „Ein solches Modell ist bei uns noch schwer vorstellbar, aber nun wissen wir, dass es funktioniert.“

Viele Inspirationen erhielten die Teilnehmer auch bei der HS Anlagenbau GmbH in Stadthagen. Das Unternehmen bietet aus einer Hand die Konzipierung, Beratung und Ausführung von Industrie- und Verbrennungsanlagen an. Überzeugend legte der Geschäftsführer Jochen Sembdner die systematische und konzeptionelle Ausarbeitung des Umweltkonzeptes der Firma dar. Elvira Borombajeva aus Bischkek fand, dass „dieses für deutsche Verhältnisse junge Unternehmen in einer sehr interessanten Nische arbeitet. Die Idee, aus Müll Geld zu machen, ist für uns nicht neu, aber die Professionalität und Sorgfalt, mit der diese Firma an die Sache herangeht, beeindruckt. Das Modell eines Generalunternehmers, der für den Endkunden zahlreiche Dienstleister und Lieferanten unter einem Dach verbindet, wird hier perfekt umgesetzt.“ Höchst interessant erschien ihr auch die Zusammenarbeit mit Universitäten vor Ort zwecks Ausbildung professioneller Nachwuchskräfte für die Arbeit mit eigenen Anlagen: „Das ist eine sehr kluge Strategie, um den ausländischen Markt zu durchdringen.“ Mit dem Besuch wurde der Grundstein für eine künftige Zusammenarbeit mit dem Verband der Kleinen Wasserkraftwerke Kirgisistans gelegt.

Die Dürkopp Adler AG in Bielefeld präsentierte sich als eine traditionsreiche Nähmaschinenfabrik, die heute weltweit mit modernsten Service und Vertriebsorganisationen operiert. Ziel des Unternehmens ist es, die Automatisierung von Fertigungsabläufen zu perfektionieren und gleichzeitig ein Höchstmaß von flexiblen Anwendungsmöglichkeiten zu gewährleisten. Zhipara Raimkulova, Geschäftsführerin in der Textilbranche war begeistert. „Das ist ein tolles Unternehmen mit ganz tollen Produkten. Die Nähmaschinen, die uns präsentiert wurden, beeindrucken durch Qualität und Automatisierungsmöglichkeiten. Mit solchen Maschinen könnten unsere Handwerkerinnen die Qualität ihrer Produkte ums mehrfache steigern und gleichzeitig den Arbeitsaufwand reduzieren. Interessant ist, dass die Firma für den kirgisischen Markt speziell angepasste Preise anbietet. Das macht die Produkte noch attraktiver.“ Auch Andrei Olfert, Area Sales Manager bei Dürkopp Adler AG, war von der aufgeschlossenen Gruppe sehr angetan: „Sie zeigten großes Interesse an unseren Produkten und einer Zusammenarbeit in Kirgisistan. Dieser Markt ist sehr interessant für uns. Er ist ständig in Bewegung und hat großes Potential für Wachstum. Wir freuen uns immer auf solche Gruppen und empfangen sie gern in unserem Hause.“ Wieder eine echte Win-Win-Situation.

Von Dr. Ronald Pschierer
Deutsche Management Akademie Niedersachsen, Celle
http://de.dman.de