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Wie finde ich den richtigen Lieferanten?

[26.03.2018]

Russische Delegation zu Besuch bei MULTIPOND in Waldkraiburg


Die „Suche nach den richtigen Lieferanten“ führte 20 russische Führungskräfte im Herbst 2018 zur Multipond Wägetechnik GmbH, ein inhabergeführtes mittelständisches Unternehmen in Waldkraiburg in Oberbayern, das Teil der Unternehmensgruppe ATOMA MULTIPOND ist. Die Firmengruppe mit ihren 230 Mitarbeitern hat über 70 Jahre Erfahrung in der industriellen Produktion von Wägeautomaten, die vor allem in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden.

Nach einem Einblick in die Firmenstrukturen und Standorte in aller Welt machten sich die Manager bei einem Rundgang durch die Firma ein Bild davon, wie die Maschinen gebaut werden und funktionieren. In einer Testhalle, dem „Technikum“, wird z.B. Fruchtgummi genau eingewogen und portioniert. In raschem Wechsel öffneen sich die Klappen und transportieren den Fruchtgummi in die richtigen Behälter. Auf zehntel Gramm genau können die Packungen daher letztendlich gefüllt werden. Die hohe Genauigkeit spart den Kunden von MULTIPOND Geld, so gibt es kein Übergewicht in den Packungen, das sogenannte „Giveaway“.

Während die Produkte, die es im Supermarkt zu kaufen gibt, vielen vertraut sind, ist die Technik, mit der sie in die Packung kommen, vielen eher unbekannt. Das bemerkte auch der Manager Roman Koselov und zeigte sich begeistert: „ Der Besuch zu kleinen und mittleren Unternehmen wie MULTIPOND hat mich sehr inspiriert. Ich habe gemerkt, wie erfolgreich und professionell jemand sein kann, egal wie groß oder bekannt sein Unternehmen ist“

Die Bauteile der Maschinen werden größtenteils selbst gefertigt, nur bei einigen Teilen ist Multipond auf Zulieferer angewiesen. Gefertigt wird letztendlich ausschließlich in Deutschland, daher sind die Qualitätsmanagement-Prozesse äußerst gut ausgereift.

Die Frage „Wie finden Firmen gute Zulieferer?“ stand nach der Führung im Mittelpunkt. So erfuhren die MP-Teilnehmer von Christian Hargasser, Leiter Qualitätsmangement von Multipond:  „Man kann natürlich auf gängige Vorgehensweisen zurückgreifen wie Selbstauskunft, Fragebögen oder Präsentationen der Lieferanten etc. Doch da auf diesem Wege brauchbare Ergebnisse schwer zu erhalten sind, brachten wir Mitarbeiter aus den Schlüsselbereichen Einkauf, Entwicklungsabteilung und Produktion zusammen.“ Gemeinsam entwickelten sie ein eigenes System, um die besten Lieferanten zu finden: Sie identifizierten die für ihre Firma relevanten Kriterien, die zu einer Entscheidung für oder gegen einen Lieferanten führt, dabei gingen sie ganz bis in die detaillierten Prozesse in der Fertigung. „Der wichtigste Bestandteil ist das persönliche Kennenlernen der zukünftigen Geschäftspartner im Rahmen von Audits“, so Hargassers Fazit. Die russischen Manager erfuhren, dass Multipond es geschafft hatte, mit wenig Aufwand ein individuelles Bewertungskonzept zu entwickeln, das es erlaubt, recht zügig die unternehmenseigenen Schwerpunkte bei zukünftigen Lieferanten abzufragen. Dank der Einteilung in Prozessschritte bei der Fertigung kann der Lieferant anhand der Wertschöpfungskette auditiert werden. Das kommt auch der eigenen ISO-9001-Zertifizierung entgegen, die verstärktes Prozessdenken und Überwachung extern bereitgestellter Prozesse fordert. Nach den Audits gibt es natürlich noch weitere Prozessschritte. „Selbstverständlich hört es nicht bei dem Audit auf, es folgen Tests mit Produktmustern, auch vor Ort bei den Zulieferern“, so Christian Hargasser weiter.

Die Frage, ob ein russisches Unternehmen Zulieferer sei, musste Haargasser verneinen. Aber ein Absatzmarkt für MULTIPOND-Maschinen ist Russland allemal, dort sind MULTIPOND-Mehrkopfwaagen bei mehreren Firmen im Einsatz.

Insgesamt war die Denkweise für die russischen Manager neu. Die interdisziplinären Teams der MULTIPOND-Mitarbeiter entwickeln gemeinsam ein Auditsystem und setzen es um, um die optimalste Qualität zu erreichen. Unternehmer Manuel Mesias Paredes Garses überzeugte die Herangehensweise von MULTIPOND: “Ich war beeindruckt von der Evaluierung und der systematischen Auswahl der Zulieferer. Außerdem gefiel mir die Qualitätskontrolle und das Risikomanagment und die Kooperation der Zulieferer, die Qualität zu erhöhen. Ein gutes Vorbild für meine eigene Firma.”

Katharina Bömers, IHK Akademie München und Oberbayern gGmbH