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Unternehmenstradition „Made in Germany“


Im Herbst 2017 besuchten 18 indische Führungskräfte insgesamt 17 namhafte Unternehmen und Institutionen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Dabei erstreckte sich das Produktspektrum der durch die MP-Teilnehmer repräsentierten indischen Unternehmen von LED-Leuchten und Solaranlagen über Blechbearbeitungsteile, Automotive-Komponenten und Hydrauliksysteme bis hin zum Handel mit Metallbearbeitungswerkzeugen.

Zwei große Themenkomplexe standen fast durchgängig im Mittelpunkt der intensiven Gespräche und Firmenbesichtigungen: das Qualitätsmanagement und die deutsche Unternehmenskultur. Beeindruckend war schon der erste Unternehmensbesuch, der die Teilnehmer zur Ecoroll AG in Celle führte und über ihre spezielle Fertigungstechnik informierte. Ecoroll Werkzeuge und Maschinen veredeln Metalloberflächen durch eine Umformung der Randschicht. Bei einer Führung durch die Werkshallen schauten sich die Gäste einrollige Werkzeuge sowie die spezialisierte Omega-Werkzeugreihe zur Schälung und Glattwalzung von zylindrischen Innenflächen an. Auch die einzigartige HG-Werkzeugreihe erlebten die indischen Führungskräfte in action. Die Walzkraft dieser sogenannten „ballpoint“- Werkzeuge wird über eine (oder mehrere) hydrostatisch gelagerte Kugeln übertragen. Einige MP-Teilnehmer waren so fasziniert von der Qualität und Oberflächenbeschaffenheit nach Bearbeitung der Werkstücke, dass sie mit der Ecoroll AG sogleich Gesprächstermine auf der Messe EMO (Exposition Mondiale de la Machine) für eine zukünftige Zusammenarbeit in Indien vereinbarten. Da mehrere Teilnehmer mit ihren Unternehmen in der Metallbearbeitung tätig sind, hatte diese Messe für sie eine besondere Bedeutung. Hier konnten sie sich „von Angesicht zu Angesicht“ mit Anbietern aus aller Welt über gemeinsame Projekte austauschen. Vielfach folgte dem ersten Kennenlernen auf der Messe am nächsten oder übernächsten Tag ein weiterer Termin, um Themen zu intensivieren. Die indischen Manager sprachen von hervorragenden und äußerst effektiven Kontakten, die ohne die EMO nur schwer oder gar nicht zu realisieren gewesen wären.

Auch der offene Dialog und die Transparenz der deutschen Firmen zählen zu den positiven Eindrücken. So führte Thomas Knöfel, Quality Assurance Manager bei der H. Butting GmbH & Co. KG in Knesebeck, die indischen Teilnehmer durch alle zentralen Produktionsbereiche des Unternehmens, dessen Schwerpunkt die Röhrenfertigung bildet, das aber auch in der Herstellung von großdimensionierten Abfüllanlagen für die Getränkewirtschaft erfolgreich ist. Nach dem Rundgang und einem abschließenden intensiven Gespräch zeigte sich Knöfel beeindruckt von der guten Vorbereitung und dem auch auf zahlreiche Details fokussierten Interesse der Teilnehmer: „Diese indische Besuchergruppe passte aufgrund ihrer unternehmerischen Herkunft und der ausgeprägten Kenntnisse in Bezug auf Produktionstechnik und Geschäftsfelder exakt zu unserer Firma, und ich gehe davon aus, dass sich aus diesem ersten Kontakt weitere Kooperationen entwickeln werden.“ Butting GmbH blickt auf eine sehr lange Unternehmenstradition zurück und ist seit mehreren Generationen in Familienbesitz. Auch wenn einige der indischen Teilnehmer selbst in Unternehmen arbeiten, die von ihren Vätern oder Großvätern gegründet wurden, empfanden sie die lange Geschichte vieler deutscher Unternehmen als etwas Besonderes. Darshan Reddy Mandara aus Bangalore: „Die lange Firmentradition prägt das Erscheinungsbild vieler deutscher Unternehmen und erklärt auch die große Verbundenheit der Mitarbeiter mit ihrem Betrieben.“

Von Dr. Detlev Rossa
Deutsche Management Akademie Niedersachsen, Celle
dman.de