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Wachstum dank Hightech

[09.05.2019]

Tunesisches Familienunternehmen setzt auf Technologie und Know-how aus Deutschland

Anouar Yaiche ist Mitinhaber von Novaprint. Die Firma wurde von seinem Vater gegründet, als Yaiche zehn war. Die ersten zwanzig Jahre hat das Familienunternehmen sein Geld mit der Produktion von Druckerzeugnissen verdient. Seit 2016 stellt der Betrieb auch Verpackungen her. Die größte Herausforderung für das mittelständische Unternehmen ist das starke Wachstum, das ihm bevorsteht: Familie Yaiche plant, ihren Umsatz von zwei Millionen Euro bis 2020 zu verdoppeln. Bei diesem ambitionierten Unterfangen helfen der Gesellschaft die neuen Kontakte und Produktionsanlagen aus Deutschland sowie ein Verlagsexperte des Senior Experten Service aus Bonn.

Herr Yaiche, bitte beschreiben Sie uns ihre Firma.

Wir produzieren Bücher, Zeitschriften und Verpackungen. Novaprint hat 60 Mitarbeiter und exportiert in 17 Länder, vornehmlich nach Afrika, aber auch nach Europa: nach Italien, Belgien und Frankreich. Wir setzen auf hohe Qualität und haben als erstes Unternehmen aus der Druckindustrie in Afrika ein ISO-Zertifikat für unseren Offsetdruck bekommen.

Was hat Sie zur Teilnahme am Managerfortbildungsprogramm bewogen?

Wir sind natürlich immer auf der Suche nach neuen Kunden für unsere Produkte. Außerdem wollten wir expandieren und brauchten neue Anlagen, um unsere Kapazität zu steigern und unser Portfolio zu erweitern. Tunesien und Afrika bieten nämlich gerade viel Potenzial für den Absatz von Verpackungen und Druckerzeugnissen.

Wurden Ihre Erwartungen an den Deutschlandaufenthalt erfüllt?

Ja, absolut. Wir haben vom Gebrauchtmaschinenhändler Kruse-Bsat GmbH eine Registerstanzmaschine erworben. Damit können wir den Index von beispielsweise Telefonbüchern oder Lexika stanzen. Mit der Stoma GmbH sind wir gerade in Verhandlungen über den Kauf einer Ätzmaschine für 50.000 Euro. Das ist für uns ein wichtiger Mehrwert, denn damit können wir in Zukunft unsere Druckformen selbst herstellen. Bisher haben wir sie in Italien produzieren lassen. Außerdem haben wir eine Lieferung von Lacken von der Actega GmbH aus Nordrhein-Westfalen bekommen, die wir aktuell in unseren Anlagen testen. Dabei hilft uns ein Techniker des Unternehmens. Darüber hinaus haben wir gerade eine Probelieferung von Verpackungen für orthopädische Hilfsmittel produziert. Der Kunde ist die Lohmann & Rauscher GmbH & Co. KG, eine Firma aus Rheinland-Pfalz, die medizinische Produkte herstellt. Das Unternehmen produziert bereits in Tunesien, schickt die Waren aber bisher zur Verpackung nach Deutschland. Wenn alles glattläuft, übernehmen wir nach der Testphase diesen Part.

 

Was sind derzeit Ihre größten Herausforderungen?

Unsere größte Herausforderung ist eigentlich ein Luxusproblem: Sie ist unser schnelles Wachstum. Bis Ende 2020 wollen wir unseren Umsatz auf vier Millionen Euro steigern. Und in zehn Jahren möchten wir Marktführer in Tunesien sein. Um unsere Ziele zu erreichen, benötigen wir nicht nur neue Maschinen – wir liebäugeln gerade mit dem Kauf von Druckmaschinen von König & Bauer oder von Heidelberger Druckmaschinen –, sondern auch ein stark aufgestelltes, leistungsfähiges Unternehmen. In Kürze kommt deshalb ein Verlagsexperte aus Deutschland für einen Monat zum Audit zu uns. Er wird alle Einheiten kritisch unter die Lupe nehmen, von der Produktion über das Management bis zur Logistik. Der Spezialist kommt über den Senior Experten Service, eine Stiftung der Deutschen Wirtschaft, die ich in Deutschland kennengelernt habe.