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„Unsere Prozesse sind jetzt zu 90 Prozent effektiver“

Jurij Bugaj
Foto: ©Jurij Bugaj

[02.03.2020] Die Firma Ranok versorgt den ukrainischen Markt seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Büchern und Papierwaren. Das Geschäft läuft gut. Eine der größten Herausforderungen ist es, die vielen Aufträge schnell abzuwickeln. Dafür ist Jurij Bugaj als Leiter der Logistik verantwortlich. Im Zuge des MP hat er die Lagertechnik in seiner Firma optimiert und die Mitarbeitermotivation stärker in den Fokus gerückt.

Wer bis 17.30 Uhr bestellt, dessen Ware wird bis 18 Uhr versandt – das verspricht Ranok seinen Online-Kunden. Das Unternehmen wurde im Forbes-Ranking der Top-Marken in der Ukraine im Jahr 2016 unter die Top 20 gewählt. Über 800 Mitarbeiter arbeiten in den unterschiedlichen Gesellschaften und Geschäftszweigen des Unternehmens und produzieren rund 20.000 Artikel, darunter Bücher, Papierwaren, Bastel-, Kreativartikel und Lernspiele. Trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation im Land entwickelt sich das Geschäft gut. 2018 hatte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von mehr als sieben Millionen Euro.

Damit das so bleibt, arbeitet die Firma derzeit daran, ihre internen Prozesse zu verbessern. Denn das Diktat der Schnelligkeit stellt die Logistik und ihren Chef Jurij Bugaj vor große Herausforderungen. „Unser Lagersystem stößt an seine Grenzen“, sagt er. Dafür nennt er mehrere Gründe. Zunächst habe sich das Kaufverhalten verändert: Die Kunden kauften anders, zielgerichteter, insgesamt weniger, aber häufiger, berichtet er. Außerdem wachse das Onlinegeschäft um rund zehn Prozent und der Wettbewerb erfordere insgesamt eine größere Schnelligkeit in der Auftragsabwicklung.

Agile Umsetzung im Warenlager

Foto: ©Shutterstock

Ob er deshalb ein neues Lager brauche? Der Logistikexperte verneint diese Frage. Die Größe sei ausreichend, wenn man es schaffe, die Abläufe zu verbessern: Ranok brauche kein größeres, sondern ein schnelleres Lager. „Wir haben eine zu geringe Reichweite und eine zu langsame Auftragsabwicklung. Und um ein internationales Niveau zu erreichen, müssen wir IT und Infrastruktur modernisieren“, erklärt Bugaj. Dafür sollen rund drei Millionen Euro investiert werden. Aber nicht auf einmal. Denn die Marktanforderungen und die Technik entwickeln sich ebenfalls rasant. „Was heute noch innovativ oder zumindest noch State of the Art ist, kann morgen schon Schnee von gestern sein“, sagt Bugaj. Deswegen erfolgen die Anpassungen schrittweise: Die langfristige Lagerplanung wurde durch kurzfristige, agile Steps ersetzt. Einer davon ist die Anschaffung eines Durchlaufregalsystems. Das hat Bugaj von der BITO-Lagertechnik Bittmann GmbH, dem Marktführer für Lagertechnik in Europa, nach dem Managerfortbildungsprogramm gekauft. Durch eine schräge Lagerung kann die Ware selbsttätig zur Entnahmestelle vorrücken. Das Regal ist nach dem FiFo-Verfahren (first in – first out) konzipiert. Die strenge Einhaltung in der Reihenfolge der Entnahme und Bestückung gewährleistet, dass nichts veraltet. Außerdem erlaubt die Form einen hohen Füllgrad und kurze Wege für die Arbeiter. Durch Führungsschienen und eindeutige Einteilung werden zudem Fehler reduziert. “Wir konnten die Auslastung unseres Lagers und die Effektivität der Prozesse um 90 Prozent steigern. Jetzt können wir unser Angebot sogar noch erweitern, und das alles ohne neues Lager”, freut sich Bugaj.

„Alles hängt vom Menschen ab“

100 der rund 800 Mitarbeiter von Ranok sind im Lager beschäftigt und unter der Führung von Bugaj. „Alles hängt vom Menschen ab“, sagt er. Auch in einer automatisierten Welt sei persönliche Kommunikation wichtig. Diese hat er beim Schichtwechsel verbessert und eine Übergabe eingeführt, bei der die Probleme der vorhergehenden Schicht sowie Lösungsmöglichkeiten besprochen werden. Die moderne VUKA-Welt erfordert eine hohe Lernbereitschaft der Mitarbeiter, besonders in schnelllebigen Unternehmensbereichen wie der Logistik. Deshalb hat der Lager- und Logistikexperte ein Fortbildungsprogramm für seine Leute gestartet. Quartalsweise wird das Wissen der Mitarbeiter abgefragt, damit sie up to date bleiben oder sich weiterentwickeln. Zuhause wird gelernt, der Test erfolgt während der Arbeitszeit. Bei erfolgreichem Abschneiden kann ein Angestellter um eine Gehaltsstufe aufsteigen. Das wirkt sich auf die Motivation aus: „Meine Mitarbeiter arbeiten jetzt engagiert und motiviert, und nicht mehr mechanisch wie Roboter“, hat Bugaj beobachtet. Und für das Wohlbefinden gibt es nun kostenlose Getränke und Äpfel. Eine kleine Geste mit großer Wirkung. „Das Wichtigste ist die Wertschätzung der Mitarbeiter, das habe ich auch während meiner Unternehmensbesuche in Deutschland gesehen“, sagt Bugaj.