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„Es geht darum, voneinander zu lernen“

Meretmuhammet Meredov

2019 war für den Unternehmer Meretmuhammet Meredov ein denkwürdiges Jahr. Der Geschäftsführer des turkmenischen Backwarenherstellers „Kindi“ kam mit dem Ziel nach Deutschland, neue Methoden zur Süßwarenherstellung und Kooperationspartner zu finden. Und stellte seine Unternehmensplanung anschließend ganz neu auf.

Sie haben vor Kurzem am MP teilgenommen. Was sind im Rückblick die drei prägendsten Erfahrungen gewesen?
Ehrlich gesagt, hat das Programm alle meine Erwartungen übertroffen und an vieles erinnere ich mich gern zurück. Da gab es zum Beispiel eine Situation während des Besuches in einer Bäckerei. Nach asiatischer Mentalität versuchen wir, immer etwas früher als geplant zum Treffen zu kommen, um nicht zu spät zu sein. Also waren wir zu einem für 10 Uhr angesetzten Termin bereits um 9.45 Uhr an der Bäckerei. Dann ließ man uns aber nicht rein, sondern bat uns, bis 10 Uhr zu warten. Die deutsche Genauigkeit hat mich buchstäblich überrascht. Was mir auch auffiel: In Deutschland gehen die Mitarbeiter in vielen Unternehmen sehr respektvoll miteinander um, auch wenn einem die hierarchische Position des anderen unbekannt ist. Und während einer Werksführung fragten wir die Angestellten des Unternehmens, ob sich fehlende Führung auf den Workflow und die Produktivität auswirkt. Dies verneinten sie, jeder mache seine Arbeit trotz fehlender Führung. Dieses hohe Maß an Eigenverantwortung lege ich jetzt auch meinen Mitarbeitern ans Herz.

Was haben Sie aus dem Programm für Ihre Arbeit mitgenommen?
Bevor ich am MP teilnahm, hatte ich eine andere Einstellung zu meinen Mitarbeitern und ihren Aufgaben. Mein Verständnis von Management und Aufgabenverteilung hat sich durch das Programm sehr verändert. Ich habe gelernt, wie ich diesbezüglich vorankommen kann. Es geht nicht darum, sich auf Fehler zu konzentrieren, sondern voneinander zu lernen, Mitarbeiter zu unterstützen, Probleme gemeinsam zu lösen, zu beraten und die Initiative zu ergreifen.

Gibt es etwas, das Sie in Deutschland überrascht hat?
Früher war ich in anderen europäischen Ländern unterwegs und von vielem immer wieder überrascht, aber über Deutschland war ich einfach erstaunt. Insbesondere bewundere ich die deutsche Unternehmensführung. Systematik, Pünktlichkeit, Effizienz und Innovationsfreude machen Deutschland zu dem, was es heute ist.

„Mein Verständnis von Management und Aufgabenverteilung hat sich durch das MP sehrverändert. Ich habe gelernt, wie ich diesbezüglich vorankommen kann.“ Meretmuhammet Meredov

Welche Pläne haben Sie nun für Ihr Unternehmen?
Nach meiner Rückkehr aus Deutschland habe ich als erstes gemeinsam mit meinen Mitarbeitern einen Entwicklungsplan für zehn Jahre erstellt. Darin haben wir objektiv bewertet, wo sich unser Unternehmen gerade befindet und wo wir uns nach einer Dekade sehen. Jeder soll nun ganz konkrete Aufgaben übernehmen und für seinen Bereich die Verantwortung tragen. Um unser Ziel zu erreichen, verhandeln wir außerdem mit einer deutschen Firma über den Kauf von Anlagen für die Süßwarenproduktion und tauschen uns mit ihr zur Herstellung von Schokolade und schokoladenbeschichteten Keksen aus. Zudem ist geplant, erfahrene deutsche Spezialisten aus dem Senior Experten Service einzuladen, um die Produktion von Backwaren aufzubauen.

 

Fotos: © Azamat Annaberdi