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Eiskalte Innovationen

Die Firma Rud kennte in der Ukraine jeder. Leckereien wie „Impreza“ oder „Eskimos“ erfreuen seit vielen Jahren große und kleine Liebhaber der gefrorenen Milch- und Fruchteisspezialitäten. Swetlana Lysak ist Chefin des Laboratoriums und verantwortlich für die Qualitätskontrolle. 2016 hat sie am MP teilgenommen, um sich in Deutschland neue Impulse für ihre Tätigkeit zu holen und sich das Qualitätsmanagement in deutschen Firmen anzusehen. Dabei ist es ihr gelungen, neue Lieferverträge in die Wege zu leiten.

In Zhitomir, 120 Kilometer westlich von Kiew, steht die beliebteste Eisfabrik der Ukraine. Über 150 verschiedene Sorten werden bei Rud produziert und an rund 56.000 Verkaufspunkten ausgeliefert, die die knapp 42 Millionen Bürger der Ukraine mit den eiskalten Köstlichkeiten versorgen. Außerdem wird die Eiskrem in viele Länder exportiert, darunter Israel, Georgien, Kasachstan, Irak, Tschechien, Polen und die USA. Seit 2018 gibt es das Eis von Rud auch in Deutschland. Vertrieben wird es über die Dovgan GmbH, einem Handelsunternehmen, das sich auf den Vertrieb von osteuropäischen Lebensmitteln spezialisiert hat.

„Es hat sich gezeigt, dass es nicht leicht ist, neue Geschäftskontakte zu knüpfen“, sagt Lysak. Es mangele an Vertrauen in Geschäftspartner und Lebensmittel aus ihrer Heimat. Viele ihrer E-Mails blieben früher unbeantwortet, berichtet sie. Durch das MP habe sie gelernt, welchen Stellenwert der persönliche Kontakt einnimmt. „Ich bereite mich jetzt professioneller auf ein persönliches Treffen und den potenziellen Partner vor. Meine Unternehmenspräsentation habe ich in punkto Inhalt, Strukturierung und Gestaltung modernisiert und auf internationale Geschäftskontakte ausgerichtet“, sagt sie. Dank der guten Vorarbeit und mit Unterstützung durch den Vertrieb hat es dann mit dem ersten Vertrag mit Dovgan geklappt. Nach einer Probelieferung von Eis und gefrorenen Früchten wächst die Partnerschaft beständig. „Mit jeder Lieferung haben wir die Menge und Auswahl an Sorten erhöht. Diese Saison haben wir erstmals auch gefrorene Alkoholspezialitäten als Dessert geliefert“, sagt Lysak.

Lysak wollte durch das Programm neue Impulse für ihre Arbeit als Qualitätsexpertin bekommen. Wie jeder Lebensmittelbetrieb unterliegt auch Rud strengen Qualitätsanforderungen. Dass diese immer eingehalten werden, dafür sorgt Lysak zusammen mit 30 Mitarbeitern, die sie unter ihrer Führung hat. Vor 16 Jahren hat sie dort als Laborantin angefangen und hält der Firma seitdem die Treue. „Mir gefällt meine Arbeit“, sagt die Ingenieurin, die durch das MP ihr Know-how im Management verbessern konnte. Wichtig waren die Firmenbesuche und der Einblick in die Unternehmensführung deutscher Mittelständler für sie. Zum Beispiel bei der Pulsnitzer Lebkuchenfabrik GmbH aus Sachsen. Oder bei der Capron GmbH, einem sächsischen Reisemobilhersteller aus Neustadt, der unter anderem den Fokus auf Qualitätsmanagement, Zertifizierung und Marketing für seine Wohnmobile legte.

„Nach dem MP haben wir die Art und Weise, wie wir bisher Geschäfte angebahnt haben, verbessert“, sagt Lysak. In der Fortbildung hat Lysak gelernt, welche Besonderheiten bei der Verhandlungsführung mit deutschen Partnern zu beachten sind und wie man typische Fehler vermeidet, zum Beispiel in punkto Geschäftskleidung oder Präsente. „Durch den Deutschlandaufenthalt und das neue Wissen habe ich jetzt mehr Selbstvertrauen und arbeite strukturierter“, so die Unternehmerin. Obwohl Rud das Zertifikat für den Export in die EU und nach Deutschland besitzt, sieht Lysak es als Herausforderung an, ihre Produkte in naher Zukunft außerhalb des Nischenmarkts für osteuropäische Spezialitäten gelistet zu bekommen. Denn der Eismarkt in Deutschland ist hart umkämpft. 517 Millionen Liter Speiseeis kamen 2017 aus deutscher Produktion, damit ist Deutschland auf Platz eins in der europäischen Eisproduktion, noch vor Italien, dem Herkunftsland des „Gelato“. Trotzdem ist Lysak zuversichtlich. „Ich habe gesehen, dass unser Produkt sehr gut ist und qualitativ auf dem anspruchsvollen deutschen Markt bestehen kann. Das macht mich stolz“, sagt sie.

Fotos: © Rud/S.Lysak