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„Ein Unternehmen darf keinen Stillstand kennen“

Myrzabek Orumbajew ist der „Toyboss“ von Kirgisistan. Mit Spielzeug hat er aber nichts am Hut. Bei ihm dreht sich seit vielen Jahren alles um die Wurst. Obwohl er von Haus aus eigentlich Computeringenieur ist. Im Interview erzählt der 33-jährige von seinen Anfängen als Sandwich-Verkäufer und seinem Weg zum führenden Wurstfabrikanten von Kirgisistan.

GIZ: Herr Orumbajew, was bedeutet eigentlich Toyboss? Für uns klingt es Englisch, ins Deutsche würden wir es in etwa mit „Spielzeugkönig“ übersetzen.
Myrzabek Orumbajew: (lacht). Mit „boss“ liegen Sie schon ganz richtig, damit ist tatsächlich das englische Wort für Chef gemeint. „Toy“ ist kirgisisch und bedeutet „Festmahl“. Zusammengenommen soll es so viel heißen wie „Jemand, der gerne und gut isst“. Den Namen haben wir uns damals im Kreis der Familie ausgedacht, als wir unsere ersten Würste auf den Markt gebracht haben. Seitdem ist das unsere Marke, die inzwischen sehr bekannt bei uns ist. Wir machen viel in den sozialen Medien und im Rundfunk und haben eigene Werbespots.

Sie haben einen Abschluss als Computeringenieur. Wie wurden Sie zum Wursthersteller?
Nach dem Studium habe ich einige Zeit in diesem Beruf gearbeitet, aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist, den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen. Mich haben schon immer Menschen begeistert, die selbständig sind und ihren Traum verwirklichen. Ich beschloss, es selbst zu wagen und habe angefangen, zusammen mit meinen beiden Brüdern Sandwiches in Bischkek zu verkaufen. Das Geschäft lief gut, aber wir waren mit der Qualität der Wurst nicht zufrieden. Als wir keine besseren Lieferanten finden konnten, haben wir uns gesagt: Das machen wir selbst! Wir haben uns dann langsam in das Geschäft eingearbeitet, die ersten Würste selbst produziert und uns immer weiter entwickelt. Inzwischen haben wir das Unternehmen aufgeteilt, mein jüngerer Bruder macht die Sandwiches und die beiden anderen produzieren die Fleischwaren. Wir sind ein richtiges Familienunternehmen.

Sie haben im April 2016 am MP teilgenommen. Was fasziniert Sie an Deutschland?
Viele deutsche Traditionsunternehmen sind seit Generationen in Familienbesitz und haben einen hohen Standard. Das finde ich beeindruckend, und ich wollte davon etwas für mein Unternehmen mitnehmen. Erfolg bedeutet für mich, noch besser zu werden, mich ständig weiter zu entwickeln und mich fortzubilden. Ein Unternehmen darf keinen Stillstand kennen. Deshalb investieren wir auch gerade in eine neue Fabrik – bei der wir übrigens deutsche Technik zum Einsatz bringen, die ich während des MP gekauft habe. Als ich nach Deutschland kam, wusste ich schon genau, was ich brauche, denn ich hatte mich schon mit einem Händler in Moskau getroffen. Die Preise für deutsche Technologien waren allerdings sehr hoch, und ich war kurz davor, auf die günstigeren polnischen und türkischen Anlagen auszuweichen. Durch das MP konnte ich persönliche Kontakte zu den Herstellern aufbauen und die Anlagen direkt aus Deutschland beziehen – für die Hälfte des Preises! Die Maschinen sind zwar immer noch rund 20 Prozent teurer als die der Wettbewerber, liegen aber im Budget. Das war mir die Qualität wert.

Was genau haben Sie gekauft?
Ich habe eine Universal Koch- und Räucheranlage von Bayha &Strackbein gekauft, einen Kutter zum Zerkleinern und Mahlen von Fleischwaren, einen Wurstfüller von Handtmann und eine Klipverschlussanlage von Poly-clip. Für alles zusammen habe ich rund 400.000 Euro investiert. Die Eröffnung der Fabrik ist für den März 2017 geplant. Mit den neuen Anlagen können wir das Fünffache produzieren als bisher und unseren Umsatz auf bis zu 15 Millionen Euro im Jahr steigern. Heute produzieren wir drei bis vier Tonnen Fleischwaren am Tag, ab 2017 können rund 20 Tonnen vom Band laufen. Damit können wir auch unseren Export steigern.

Was sind Ihre Exportziele?
Bisher verkaufen wir unsere Waren in unsere zentralasiatischen Nachbarländer. Das läuft über Zwischenhändler, die bei uns einkaufen und sich um die notwendigen Exportdokumente und alles Weitere kümmern. Rund 20 Prozent unserer Produktion gelangt auf diese Weise nach draußen. In Zukunft wollen wir den Export in unsere Unternehmensstrategie einbauen und eine Exportabteilung aufbauen. Wir planen, den Exportanteil auf 70 Prozent zu steigern. Als erstes wollen wir die Länder der eurasischen Zollunion in Angriff nehmen, dann China und Europa. Deutschland gehört übrigens ebenfalls zu unseren Zielmärkten. Die neue Fabrik legt den Grundstein dafür: Damit steigern wir nicht nur unsere Kapazität, sondern auch die Qualität unserer Waren.

Vielen Dank für das Interview!