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Ein Programm mit Langzeitwirkung

Temirtau ist die Hauptstadt der kasachischen Metallurgie. In der Stadt, die auf Deutsch „Eiserner Berg“ heißt, gibt es die Firma Inkar-1, die im Maschinenbau und in der Metallverarbeitung tätig ist. Ihr Firmenchef Kuandyk Nurpeissov hat 2012 am Managerfortbildungsprogramm teilgenommen. Mit großem Erfolg: 2014 wurde er anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des MP in Kasachstan mit dem Preis für das beste Kooperationsprojekt ausgezeichnet. Seine Erfolgsgeschichte geht weiter. Im letzten Jahr errichtete er eine neue Produktionshalle, für die er erst kürzlich in Deutschland auf der Suche nach neuen Anlagen war. Im Interview schildert er seine Erfahrungen und Pläne.

 

Sie kommen gerade aus Deutschland zurück. Erzählen Sie uns doch bitte, was Sie dort gemacht haben.
Wir haben im letzten Jahr den Bau unserer dritten Montagehalle abgeschlossen. Sie ist 1.350 Quadratmeter groß und verfügt über eine gut organisierte Infrastruktur mit Kantine, Duschen, Räumen für das Personal und Lagerräumen. Die Halle wurde aufgrund unserer Kapazitätsengpässe nötig. In Deutschland habe ich mich mit einem Unternehmensberater der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, der EBWE, getroffen und gemeinsam mit ihm Maschinenbauunternehmen besucht. Der Fachmann berät und unterstützt mich bei der Suche nach geeigneten Anlagen. Außerdem erhalten wir Unterstützung von einem Programm unserer Regierung zur Förderung von KMU.

Wer waren Ihre Gesprächspartner in Deutschland und welche Ergebnisse haben die Begegnungen gebracht?
Wir haben uns mit zwei Herstellern von Fräsen getroffen. Außerdem waren wir bei einem Produzenten von CNC-Werkzeugmaschinen. Die Treffen waren sehr spannend, eine Entscheidung habe ich aber noch nicht getroffen, da ich mich vorher noch auf der Messe Metalloobrabotka in Moskau informieren möchte, wo übrigens auch viele deutsche Firmen ausstellen.

Wozu dient die neue Halle?
Wir werden darin weitere Anlagen unterbringen, mit denen wir unsere Kapazitätsengpässe ausgleichen und unser Produktivität steigern, also keine Erweiterung der Produktpalette, sondern, wie bisher, Ersatzteile, Produktionselemente und komplexe Baugruppen für Eisenhüttenöfen, Stahl- und Walzwerke. Unser Schwerpunkt ist die Bergbauindustrie. Hauptabnehmer sind ein internationaler Stahlkonzern, der ein Werk in Temirtau betreibt, und das kasachische Kupferbergbauunternehmen Kazakhmys.

Sie haben vor sieben Jahren am MP teilgenommen. Wie fällt Ihr Resümee aus, wie hat sich Ihr Geschäft seitdem entwickelt?Wir haben unsere Produktionskapazität nach dem MP unter anderem durch den Kauf von CNC-gesteuerten Dreh- und Fräsmaschinen aus Deutschland gesteigert. Zudem konnte sich mein Unternehmen über diverse Preise freuen. So wurden wir beim staatlichen Wettbewerb ‚Altyn Sapa‘ 2016 als bestes Industrieunternehmen ausgezeichnet und haben 2018 im Wettbewerb ‚Bestes Produkt Kasachstans‘ in der Nominierung ‚Bestes Industrieprodukt‘ gewonnen. Wir wachsen konstant und schaffen neue Arbeitsplätze. Mit der neuen Halle stellen wir zum Beispiel 20 neue Mitarbeiter ein. Apropos Personal. Seit 2012 haben wir unser Personal verdreifacht. Und seit 2014 bin ich Partner in einem Pilotprojekt zur dualen Ausbildung in Kasachstan, das von der GIZ geleitet wird.

Wie sieht die Kooperation im Projekt zur dualen Ausbildung genau aus?
Im GIZ-Projekt ‚Strategische Allianz zur dualen Ausbildung in der Republik Kasachstan‘ wurden zusammen mit Experten aus Deutschland auf der Grundlage deutscher Standards Anpassungen an das kasachische System vorgenommen. Bildungspartner auf kasachischer Seite ist die Fachhochschule in Temirtau. Die Evonik Industries AG aus Essen ist kooperierendes Unternehmen auf deutscher Seite. Inkar-1 bildet Schlosser, Drechsler und Fräser aus und ab diesem Jahr auch Mechatroniker. Im letzten Jahr haben vier Fräser und acht Schlosser ihre Ausbildung bei uns abgeschlossen. Dieses Jahr wollen wir zwanzig Auszubildende einstellen. Da wir einen großen Fachkräftemangel haben, ist das duale System extrem wichtig für uns. Der Direktor der Fachhochschule Temirtau hatte mich aufgrund meiner guten Beziehungen zu Deutschland und zur GIZ für das Programm vorgeschlagen. Wir kannten uns über meine Teilnahme am Managerfortbildungsprogramm.

Wie hat Ihnen das MP bei Ihrem Wachstum geholfen?
Für mich persönlich war es sehr wichtig, in Deutschland Familienunternehmen zu besuchen, die teilweise eine 150-jährige Firmengeschichte haben. Zu sehen, wie sie arbeiten, welche Werte sie haben und wie gut sie organisiert sind. Von der Produktion von Ersatzteilen habe ich mich inzwischen weiterentwickelt zu einem Produzenten komplexer Baugruppen für Anlagen der Bergbauindustrie. Seit meiner Teilnahme am MP ist Inkar-1 kontinuierlich gewachsen und hat den Umsatz um das Fünffache gesteigert.

Fotos: © Inkar-1