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Ein Pionier der Geflügelzucht

[18.04.2019]

Die größte geschlossene Geflügelzuchtanlage Turkmenistans entsteht mit Unterstützung deutscher Technologie

Im Gebiet Gökdepe, rund 65 Kilometer von der turkmenischen Hauptstadt Aschgabat entfernt, entsteht gerade ein hochmoderner Komplex zur Produktion von Geflügelfleisch. Rund neun Millionen Euro investiert das Familienunternehmen Maksada Okgunly in das innovative Vorhaben, das wegweisend ist für die landwirtschaftliche Entwicklung Turkmenistans. Eine bedeutende Rolle spielt dabei deutsche Technologie: Die Technik für den Farmkomplex kommt komplett aus Deutschland.

„Ich wollte Anlagen aus Deutschland, weil es die Besten sind. Und weil die Unternehmen nicht nur die Technologie liefern, sondern auch die Unterstützung und den Service bieten“, sagt Maksat Ibragimov, der zusammen mit seiner Schwester das Unternehmen Maksada Okgunly führt. Gerade haben die beiden Besuch aus Deutschland. Fachleute der Prüllage Systeme GmbH sind angereist, um die Installation und Inbetriebnahme der neuen Stallanlagen für die Putenaufzucht zu begleiten und das Personal zu schulen. Das Familienunternehmen der drei Brüder Heinz, Josef und Ludger Prüllage aus Niedersachsen hat die gesamte Ausrüstung für insgesamt 22 neue Putenställe geliefert, von der Fütterung über die Klimatechnik bis hin zur Stallautomatisierung.

Maksat Ibragimow (5. v.r.) mit Karl-Heinz Witte, dem Geschäftsführer der Witte Anlagenbau GmbH & Co. KG, und Vertretern des Unternehmens in Deutschland

Die Innovation: der geschlossene Produktionskreislauf

Der gesamte Farmkomplex wird als geschlossener Produktionskreislauf gebaut. Das bedeutet, es gibt eine Brutanlage, drei Ställe für die Aufzucht von Küken und 19 Geflügelställe. Außerdem eine eigene Futterfabrik, ebenfalls made in Germany, von der K.H. Witte Anlagenbau GmbH & Co. KG. Darüber hinaus ist ein Schlachthof mit Fleischverarbeitung in Planung und eine Anlage zur Verarbeitung und Verwertung organischer Abfälle, die beide aus Deutschland kommen sollen. Der neu errichtete Fabrikkomplex, der auf dem rund 30 Hektar großen Firmengelände entsteht – das entspricht einer Fläche von 42 Fußballfeldern – soll Ende 2019 in Betrieb gehen. Dann produziert Ibragimov 4.800 Tonnen Putenfleisch im Jahr. Bis 2020 soll die Kapazität auf 6.400 und anschließend auf 30.000 Tonnen pro Jahr ausgebaut werden. Damit würde Maksada Okgunly rund zehn Prozent der gesamten Fleischproduktion des Landes liefern, die derzeit bei etwa 300.000 Tonnen im Jahr liegt.

Futterfabrik made in Germany

Sein Futtermittel produziert Ibragimov in Zukunft selbst. Auf 230 Hektar baut er dafür sein eigenes Getreide an. Dieses landet in der neuen Mischfutterfabrik von Witte und wird dort zu Truthahnfutter verarbeitet. Die neue Anlage aus Deutschland kann fünf Tonnen pro Stunde herstellen und bis zu 43.000 Tonnen im Jahr. Die neue Produktionslinie beinhaltet auch Lagersilos und -hallen für bis zu 24.000 Tonnen Getreide und wird vollautomatisch gesteuert. Die landwirtschaftliche Fläche sowie das Firmengelände wird Ibragimov kostenlos zur Verfügung gestellt, denn er hat sich 2015 mit seinem Vorhaben bei einer Ausschreibung gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Infolge dieser Ausschreibung hat er auch einen zinsgünstigen Kredit über neun Millionen Euro vom turkmenischen Staat bekommen. Die Regierung fördert mit diesen Maßnahmen die Entwicklung der privaten industriellen Landwirtschaft, um die Diversifizierung der Wirtschaft voranzutreiben. In seine neue deutsche Technologie hat Ibragimov inzwischen bereits rund zwei Millionen Euro investiert.

Große Zukunftspläne

„Von der Aufzucht bis zur Weiterverarbeitung des Geflügelfleischs können wir jetzt alles selbst machen. Das gibt es so noch nicht in Turkmenistan“, sagt der Firmenchef, der Ende 2017 am Managerfortbildungsprogramm (MP) in Deutschland teilgenommen hatte. Doch das reicht dem engagierten 37-jährigen Unternehmer noch nicht, seine Visionen gehen weiter. Er will noch autonomer werden und weiter investieren. Ab 2020 will er auch Zuchteier produzieren, um diese nicht mehr zukaufen zu müssen. Dafür will er eigene Elterntiere anschaffen. Aus Deutschland sollen sie kommen, vom größten deutschen Putenzüchter, der Kartzfehn Märkische Puten GmbH. Bisher hat er von der Firma nur die Bruteier bezogen. Und er will seine Anlagen um die Produktion von Enten- und Gänsefleisch erweitern. Ibragimov war schon immer risikobereit und offen für Innovationen. 2013 war er der erste, der Truthahneier importiert und damit den Grundstein für die industrielle Produktion von Truthahnfleisch in Turkmenistan gelegt hat. Von Haus aus ist der ambitionierte Unternehmer eigentlich gar kein Wirtschaftsfachmann oder Manager, sondern Philologe. Deshalb habe er besonders vom MP profitiert, sagt er. Das Programm habe ihm wertvolles Management-Know-how vermittelt, das er für den Ausbau seines Unternehmens, das zurzeit 70 Mitarbeiter hat, benötigt.