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Science-Fiction kann man lernen


An einem frostigen Novembertag zeigt Sigurd Pfitzner, Leiter der Qualitätssicherung bei der First Sensor Microelectronic Packaging GmbH in Dresden, seinen turkmenischen Gästen die Produktion von hochsensiblen elektronischen Sensoren. Allenthalben ist die Rede von Hochreinprozessen, feinsten Halbleiterstrukturen und adaptiven Multisensorensystemen. Die 22 MP-Teilnehmer aus Turkmenistan staunen: „Es ist wie Science-Fiction. So etwas gibt es bei uns gar nicht“, sagt Rustam Mashatkulov, Chefingenieur eines Unternehmens für Klimatechnik aus Aschgabat.

Aber auch Science-Fiction ist keine Zauberei: Qualitätssicherung lebt auch in einem hochmodernen Technologieunternehmen von den Mitarbeitern, die dazu angehalten sind, eigene Ideen zur Verbesserung der Bedingungen am eigenen Arbeitsplatz einzubringen. Das geschieht auch ständig, so Pfitzner. Die Mitarbeiter nutzen dazu simple Bögen, auf denen sie ihre Ideen niederschreiben. Das Qualitätssicherungsteam wertet diese Vorschläge regelmäßig aus, plausible Vorschläge werden nach einer Testphase zu einer neuen Gegebenheit, von der alle Mitarbeiter profitieren. „Ganz egal, aus welcher Branche man selbst kommt, kann man diese Herangehensweise gut für sich nutzen“, sagt Mashatkulov schließlich.

Doch der Erfolg und die Innovationskraft eines Unternehmens beruhen auf solchen scheinbar simplen Dingen. Die First Sensor Microelectronic Packaging GmbH hat damit und mit einer mächtigen F&E-Abteilung allein 2016 gut drei Dutzend Patente, Gebrauchsmuster und Markeneintragungen gehalten. Dabei werden Patente nur dann angemeldet, wenn eine Idee den ersten Prognosen zufolge markttauglich ist. Also doch keine Science-Fiction, sondern bodenständige unternehmerische Tätigkeit mit Zukunft.

Auf Kompetenzen im Bereich von Innovations- und Veränderungsprozessen in Unternehmen liegt ein wichtiger Akzent des BMWi-Managerfortbildungsprogramms. Neben der praktischen Anschauung gibt es für die Teilnehmer intensive Trainings und Workshops zu diesen Kompetenzen. Die turkmenischen Führungskräfte entstammen zwar unterschiedlichen Branchen, aber jeder profitiert von den Trainings. „Besonders Change Management“, sagt Davut Berdyyev, CEO eines turkmenischen Unternehmens aus dem Telekommunikationsbereichs. „Es ist letztlich alles eine Frage des richtigen Umgangs mit Menschen, mit seinen Mitarbeitern.“

Einige Tage nach dem Besuch des Dresdener Technologieunternehmens finden sich die turkmenischen MP-Teilnehmer vor einem Kuhstall der Kohrener Landmolkerei und schauen in die Augen des schwarzbunten Niederungsviehs: „Das kennen wir sehr gut, hier kann man nichts falsch machen!“ Die in der Molkerei produzierte Milch ist als Bioprodukt zertifiziert und als solche in vielen Supermärkten im gesamten Bundesgebiet erhältlich. „Hier spielen viele Kriterien eine Rolle“, sagt Hendrik Jan Westert, geschäftsführender Gesellschafter der Molkerei. „Dazu gehören Auflagen bei der Stall- und Außenfläche pro Milchkuh, Bio-Futtermittel, ein Verbot von ionisierender Strahlung und von gentechnisch veränderten Organismen, Süßstoffen und so weiter im gesamten Produktionsprozess und ein dokumentiertes HACCP-Konzept der Molkerei“. – „Also doch wieder Science-Fiction“, lächeln die Teilnehmer.

Insgesamt hinterließen Technologie und Milchwirtschaft gleichermaßen bleibenden Eindruck. Am letzten Tag des Deutschlandaufenthalts zogen die MP-Teilnehmer den für sie vielleicht wichtigsten Schluss: Auch Science-Fiction ist Handwerk, das man erlernen und anwenden kann – auch in der turkmenischen Wirtschaft.

ARGE Konsortium Neue Bundesländer, Dresden