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Lokaler und partizipativer Ansatz

Traide-2015-EE-2
Deutschland gehört weltweit zu den Vorreitern bei der Nutzung von erneuerbaren Energien. Einen Einblick in dieses Thema erhielten Führungskräfte aus Belarus, Indien, Moldau, Mongolei, Russland, Ukraine und Vietnam im Herbst 2015 bei zwei deutschen Unternehmen.

Der Tag startete mit dem Thema Windenergie und einem Besuch des Bürgerwindparks Hollich im Kreis Steinfurt. Nach einer Einführung in das Finanzierungsmodell „Bürgerwindpark“ und die Vorteile, die eine gemeinschaftliche Finanzierung mit den ortsansässigen Bürgern bringt, ging es raus in den Windpark selbst. Von einem erhöht gelegenen Punkt an der alten Hollicher Mühle, die den historischen Nutzen der Windenergie in der Region dokumentiert, verschaffte sich die Gruppe einen Überblick über das Gelände mit den 35 Anlagen. Wenn Ende des Jahres alle Anlagen stehen, werden mit einer gesamten installierten Leistung von 77,5MW rund 170 Mio. kWh Strom erzeugt. Mit dieser Menge können ungefähr 42.500 Drei-Personen-Haushalte versorgt werden. Weiter ging es zu einer der neu errichteten Anlagen. Mit einer Gesamthöhe von 196 m und einem Rotordurchmesser von 131 m sind die Dimensionen der Anlage sehr beeindruckend. Nicht nur von außen, sondern auch im Inneren des Turms, der den Generator und das Steuerungssystem enthält und den Blick in die Höhe der Anlage freigibt. Sehr interessiert waren die MP-Teilnehmer nicht nur an der Technik selbst, sondern auch am Genehmigungsverfahren und der Möglichkeit, das Prinzip der Gemeinschaftsfinanzierung im eigenen Land umzusetzen.

Traide-2015-EE-3Beim eigens für den Windpark gebauten Umspannwerk wird die Wechselspannung von 380 KV, die die Windenergieanlagen in das Einspeisenetz des Windparks abgeben, in eine niedrigere Spannung umgewandelt und in das öffentliche Netz eingespeist. Anschließend wird der Strom in der Region verteilt. Hier kamen viele Fragen und eine rege Diskussion zum Stromnetz und zu den Schwierigkeiten, die bei der Einspeisung von erneuerbaren Energien in das Netz entstehen, auf.

Die dritte Station des Besuchs war die Gemeinschafts-Biogasanlage, die 46 Landwirte unter der Bioenergie Steinfurt GmbH & Co. KG gemeinschaftlich betreiben. Auch hier können sich die Einwohner Steinfurts mit Kapital an der Anlage beteiligen und eine entsprechende Rendite erzielen. Auch hier war nicht nur die Technik von großem Interesse, der lokale und partizipative Ansatz bot den Teilnehmern neue Anregungen für eigene Projekte.

Nach einer kurzen Mittagspause schloss sich dann der Kreis. Denn das erzeugte Biogas der Anlage wird über ein lokales Gasnetz an die Stadtwerke weitergegeben, die daraus über eine Anlage zur Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme für die Versorgung der Einwohner erzeugen. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke besichtigten die Gäste das moderne Heizkraftwerk, das insgesamt 7 Mio. kW/h Strom und 4 Mio. kW/h Wärme erzeugt.

Das Gesamtkonzept diente den Teilnehmern damit als ein gutes Beispiel dafür, wie mit lokalen Ressourcen vor Ort fossile Energie eingespart und gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen werden können.

Von Christina Morgenstern
trAIDe GmbH, Köln