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Landwirte aus Aserbaidschan in Sachsen


Der erste Tag des Frühlingsmonats März ließ sich in Dresden extrem kalt an: Temperaturen um die minus 12 Grad, ein eisiger Wind. In aller Frühe begaben sich die 16 aserbaidschanischen Landwirtschaftsunternehmer in den Bus, der sie verhältnismäßig warm an die Orte bringen sollte, an denen sie an diesem Tag deutsche Unternehmen und Institutionen besuchen sollten.

Dresden. Die kalte Jahreszeit ist in der Landwirtschaft Planungszeit. Oder eine Zeit, am Managerfortbildungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie teilzunehmen und Kontakte mit Deutschland zu knüpfen. Das bedeutete aber, zumindest für diesen 1. März, auch: Der frühe Vogel fängt den Wurm.

Ganze drei Treffen standen der Gruppe aus Aserbaidschan an diesem Tag bevor: Der Öko-Landwirtschaftsbetrieb Vierfelderhof, die Öko-Landbau-Beratung Berlin-Brandenburg e.V. und das Oberstufenzentrum Märkisch-Oderland. „Öko“ ist inzwischen nämlich nicht nur im von Wohlstand geprägten Deutschland ein aktuelles Thema. Landwirtschaft wird im Vierfelderhof nachhaltig betrieben, und das ist längst nicht alles: Das Konzept dieses landwirtschaftlichen Betriebs beinhaltet die Nähe zur Natur und Landwirtschaft bereits im Vorschulalter. So wird dort bereits Kindern ab dem Alter von 2-3 Jahren die Möglichkeit geboten, Nutztiere hautnah zu erleben, oder zum Beispiel Kartoffeln, Erdbeeren zu sammeln und so von frühauf zu erfahren, welche Werte die Landwirtschaft hervorbringt und welche Bedeutung ihr innewohnt. Dass sich das nicht auf die eher urbane Mode für Öko-Produkte beschränkt, wird hier an Jung und Alt vermittelt.

Bei der Öko-Landbau-Beratung wurde nahtlos angeknüpft. Hier bekamen die Landwirtschaftler aus Aserbaidschan Einblicke in bestimmte Aspekte der EU-Agrarpolitik und deren Auswirkungen auf landwirtschaftliche Betriebe. Die Teilnehmer fanden zum Beispiel heraus, dass selbst der Einsatz von Düngemitteln bis zu einem bestimmten Grad auf EU-Ebene geregelt ist. Das schloss aber auch Förderprogramme für das landwirtschaftliche Unternehmertum ein – es gibt in der EU beispielsweise Fördersätze für ökologische Anbauverfahren – und traf insgesamt auf großes Interesse der Aserbaidschaner.

Im Oberstufenzentrum Märkisch-Oderland berichteten Studenten, die über das duale Bildungssystem bereits in landwirtschaftlichen Betrieben der Region arbeiten, über besondere Aufgaben in ihren Betrieben und über ihre Ausbildung. Die duale Ausbildung traf auf besonders reges Interesse der ausländischen Gäste. „Das ist genau das, was ich mir immer für unser Land vorgestellt habe, und hier ist es verwirklicht“, sagt Zhalya Amirbayova, Landwirtin aus Qusar. „Ich hatte ohnehin vor, in Aserbaidschan einen Verband landwirtschaftlicher Unternehmen der Region zu gründen, und diesen werde ich nun als Plattform dazu nutzen, etwas Ähnliches wie das in Deutschland etablierte duale Bildungssystem zu popularisieren.“

Der Monat in Deutschland war aber nicht allein dem Know-How-Transfer und Erfahrungsaustausch gewidmet. Die aserbaidschanischen Unternehmer waren sowohl an Ex-, als auch an Importgeschäften interessiert. Gesucht wurde Landwirtschaftstechnik, Verpackungsmaschinen, Saatgut und Dienstleistungen, angeboten wurden vor allem landwirtschaftliche Produkte verschiedener Verarbeitungstiefe für den deutschen Markt.

ARGE NBL Dresden