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Iranische Führungskräfte erfolgreich in Deutschland


Vor Einführung der internationalen Sanktionen wegen des iranischen Nuklearprogramms pflegte Deutschland intensive Wirtschaftsbeziehungen mit dem Iran. Insgesamt betrug das deutsch-iranische Handelsvolumen 2016 rund drei Milliarden Euro. Der deutsche Export in den Iran stieg im Jahr 2016 um 26 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Deutschland ist weiterhin einer der wichtigsten europäischen Handelspartner Irans. Zu den gefragtesten deutschen Exportgütern gehören Maschinen, Lebensmittel und pharmazeutische Produkte.

Umso mehr empfanden sich die 21 iranischen Manager, die im Oktober 2017 das Managerfortbildungsprogramm bei der IHK für München und Oberbayern in Westerham absolvierten, als Wegbereiter für eine Wiederbelebung der deutsch-iranischen Handelsbeziehungen. Ali Taheri, Trade Manager von Hooshmand Kerkereh, führender iranischer Produzent von Automatiktüren für Züge, glaubt: „Die Unternehmensbesuche und die Trainings waren eine große Chance für uns und unsere Unternehmen.“ Mit vielen Fragen im Gepäck kamen die Manager – meist selbst Inhaber ihrer Unternehmen – nach Deutschland: Kennen die deutschen Unternehmen den iranischen Markt? Besteht überhaupt Interesse an einer Zusammenarbeit? Wie können wir deutsche Unternehmen als Partner für unsere Unternehmen gewinnen?

Neben Trainings zu diversen Managementthemen empfanden die iranischen Führungskräfte insbesondere die gemeinsamen und individuellen Besuche bei bayrischen bzw. anderen deutschen Unternehmen als sehr spannend. Von besonderem Interesse war für die Manager live mitzuerleben, dass kleine und mittlere Unternehmen als „Rückgrat der deutschen Wirtschaft“ in Deutschland kein Klischee, sondern Wirklichkeit sind. So besuchten sie z. B. in Marktschellenberg, in der südöstlichsten Ecke Bayerns, den Spritzguss- und Stanzteile-Hersteller PSM Protech GmbH & Co. KG‎. Die komplexen Bauteile und Komponenten des nur 220-Mitarbeiterstarken Unternehmens sind heute u.a. aus der Automobilindustrie, Informations- und Kommunikationstechnik und auch Medizin- und Labortechnik‎ nicht mehr wegzudenken. Einen direkten Einblick in die Welt deutscher KMU zu erhalten und deren Werte sowie interne Strukturen aus erster Hand mitzuerleben, half den iranischen Managern, die Arbeitsweise in deutschen Unternehmen zu verstehen. So sagte Jalal Yousefazari, Vice President von Azarettesal Co., führender Hersteller von Automobil-Antriebsystemen im Iran: „In Deutschland haben wir verstanden, was die Essenz der deutschen Geschäftskultur ausmacht.” Auch die erfolgreiche Weiterführung von Familienunternehmen beeindruckte die iranischen Führungskräfte. „Die Kulturen sind unterschiedlich, aber die Grundlagen des Familienbusiness sind die gleichen”, resümierte Abolfazl Shahmohammadi Dermeni, Chief Logistics Officer bei Barinsaz. Das iranische Unternehmen stellt u.a. Bremsbeläge, Bremssättel, Bremszylinder für die Autoindustrie her.

Die unsicheren politischen Rahmenbedingungen waren für die Teilnehmer ein großes Thema, dennoch stießen die meisten von ihnen bei den deutschen Unternehmen auf offene Türen und interessierte Gesprächspartner. Vor allem dank ihrer Teilnahme am MP gelang es den Führungskräften, Kontakte zu potentiellen Geschäftspartnern herzustellen und sie von der Qualität ihrer Unternehmen und Produkte zu überzeugen.

Von Bianca Lörenz und Lisa Schäfer
IHK für München und Oberbayern, Westerham
akademie.muenchen.ihk.de