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Industrielle Revolution in Deutschland und China


China erlebt momentan einen Wandel der heimischen Industrie. Die Regierung fördert im Rahmen der Kampagne „China Manufacturing 2025“ chinesische Unternehmen beim Aufbau von Smart Factories. Daher hatten 20 chinesische Führungskräfte von KMU, die im Sommer 2017 ein vierwöchiges Programm in Hamburg absolvierten, ein großes Interesse daran, zu erfahren, wie deutsche Unternehmen den aktuellen Wandel hin zur Industrie 4.0 meistern. Zumal es laut Aussage einiger Teilnehmer für chinesische KMU in diesem Zusammenhang schwierig sei, in den Genuss von staatlichen Subventionen zu kommen.

Im Gegensatz zu China gibt es in Deutschland nur sehr beschränkte Subventionen zur Umstellung der Produktion auf Industrie 4.0. Insgesamt stellt die Bundesregierung im Rahmen des High-Tech Strategy 2020 Action Plan bis zu 200 Mio. Euro dafür bereit. Mit Investitionen von über 2,5 Milliarden Euro – allein für die technologische Weiterentwicklung von Embedded Systems – tragen laut GTAI hingegen die Unternehmen selbst die Hauptlast zur Umstellung auf Industrie 4.0.

Vor diesem Hintergrund waren die chinesischen Führungskräfte gespannt, wie die deutschen Unternehmen es schaffen, Innovationsführer im Bereich Industrie 4.0 zu sein. Bei einem der ersten Unternehmensbesuche erläuterte Jan Möbius, Geschäftsführer der Pfannenberg GmbH, wie sein Unternehmen Innovationen in der Produktionstechnologie am Bedarf der Kunden ausrichtet. Zweimal im Jahr lädt Pfannenberg wichtige Kunden zu einem Austausch ein. In verschiedenen Gesprächsrunden diskutiert man dann neue Trends, aktuelle Probleme und wünschenswerte Innovationen. Durch diese Veranstaltungen bekommt das Management von Pfannenberg viele Anregungen für die Entwicklung neuer Technologien, die auf die Bedarfe des Kunden zugeschnitten sind. So bietet das Unternehmen beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Telekom die ersten Cloud-fähigen Lösungen zur industriellen Klimatisierung an. Vorteile für den Kunden sind eine weltweite Steuerungsmöglichkeit, eine höhere Effizienz der Geräte, eine realistischere Wartungsplanung sowie automatische Servicedienstleistungen.

Beim Besuch von NXP Semiconductor kam ein anderer Aspekt der Industrie 4.0 zur Sprache. Denn bei der Umsetzung der vernetzten Produktion gilt es, die Datensicherheit zu beachten. Dieses Thema stand dann neben den Trends zum autonomen Fahren auch im Mittelpunkt des Vortrags von Lars Reger, CTO von NXP Automotive. NXP stellt schon seit einiger Zeit Chips her, die sowohl in deutschen als auch chinesischen digitalen Reisepässen verwendet werden. Diese Technologien müssen höchsten Sicherheitsstandards entsprechen. Und ebenso sollte es in der Smart Factory sein: Alle Daten sollen über Cloud-Lösungen einsehbar und Maschinen aus der Ferne steuerbar sein. Dabei ist es sehr wichtig, dass nur autorisierte Personen Zugang zu Daten und Maschinen bekommen. Ansonsten kann es zu erheblichen Schäden durch Hacker-Angriffe kommen. Der Auftrag an die Politik sei es, international einheitliche und hohe Sicherheitsstandards zu schaffen.

„Unter dem Schlagwort Industrie 4.0 sind viele verschiedene Technologien zusammengefasst“, resümierten die Teilnehmer während der Auswertung des Programms. „Und es gibt längst kein Patentrezept zur Schaffung einer Smart Factory. Vielmehr steht in Deutschland der Bedarf des Kunden im Mittelpunkt – danach richten sich auch die Zulieferer vernetzter Produktionstechnologien.“

Von Timo Tekhaus
Akademie International, Hamburg
www.akademie.international