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Gelebte Nachhaltigkeit lernen

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Dass das Thema der Nachhaltigkeit gerade von einem Unternehmen vorgestellt wird, das chemische Produkte herstellt, konnten sich die 24 MP-Teilnehmer aus der Ukraine und Belarus zunächst nicht so recht vorstellen. Umso überraschter waren sie darüber, was sie bei Dr. Schnell Chemie GmbH in München zu diesem Thema erfahren haben.
Das erste Merkmal für gelebte Nachhaltigkeit lernten die Teilnehmer gleich zu Beginn des Besuchs: Die Firma wird nämlich bereits in der sechsten Generation familienge-führt, seit sie im 17. Jahrhundert als Münchner Seifensiederei gegründet wurde. Heute zählt der Mittelständler zu den wichtigsten Anbietern für Reinigungsprodukte im B2B-Bereich in Deutschland und Europa.

Auch in allen anderen Bereichen haben sich die Geschäftsführer Dr. Wolfgang Schnell und sein Sohn Dr. Thomas Schnell das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. So ist das Unternehmen als branchenerstes durch EMAS zertifiziert worden und hat bereits 2004 die ISO 14001-Zertifizierung durchlaufen. Und auch im sozialen Bereich setzt sich der Münchner Mittelständler stark für die Menschen im Unternehmen als auch in der Gesellschaft ein.

IHK-UA-2015-aDie Mitarbeiter sind einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg der Dr. Schnell Che-mie – das zeigt sich auch in der ökonomischen Nachhaltigkeit. Anstelle von schnellem Wachstum und kurzfristigem Profit setzt das Unternehmen auf solides Wachstum. Die Exportmanagerin Ludmila Amikale berichtete den MP-Teilnehmern, dass die Firma seit jeher am Standort München ansässig ist und viele der über 260 Mitarbeiter schon fast 20 Jahre dem Unternehmen treu sind. Olena Kusnezowa aus der Ukraine, Managerin bei der Ekoplast LLC. in Khmelnitskiy, faszinierte am meisten, dass die Firma sogar dazu übergegangen ist, eine Handlotion für die eigenen Mitarbeiter zu entwickeln, um das Thema Hautschutz anzugehen.

„Die Entscheidung, in Deutschland zu bleiben, um die Qualitätskontrollen auf einem hohen Niveau zu halten (anstatt im Ausland zu produzieren, um Kosten zu senken), lassen mich dieser Firma vertrauen. Die Tatsache, einen wichtigen Kunden wie die Deutsche Bahn über so lange Zeit halten zu können, ist Beweis dafür, dass Nachhaltigkeit hier wirklich existiert“, sagt die MP-Teilnehmerin Julia Kovalenko, Managerin bei Gidroprom Ltd, TMC Nova Tec in Odessa. Seit über 50 Jahren stellt Dr. Schnell den ersten umweltverträglichen Industriereiniger für die Deutsche Bahn her. Amikale betonte, wie wichtig es sei, auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen, da sonst eine solch langjährige Geschäftsbeziehung gar nicht möglich sei. Bekommt die Bahn zum Beispiel neue Züge mit einer speziellen Lackierung, werden auch die Reinigungsmittel darauf angepasst, um Schäden zu vermeiden. Diese Herangehensweise beeindruckte die Gäste aus Osteuropa, und viele beschlossen nach dem Unternehmensbesuch, nun auch mehr in die Kunden- und Mitarbeiterbeziehungen in ihren Unternehmen zu investieren.

Vor ein paar Jahren durfte Dr. Schnell erfahren, dass sich die Bemühungen um eine nachhaltige Unternehmensführung auszahlen. Als erstes Unternehmen aus der Che-miebranche wurde es 2013 unter die Top 3 von „Deutschlands nachhaltigsten Marken“ gewählt und reiht sich nun neben anderen Preisträgern wie Rapunzel Naturkost und Speick Naturkosmetik ein.

„Die Nachhaltigkeit zeigt sich hier auf viele Arten – die Einstellung zum Kunden, das Einhalten von Verpflichtungen, das schnelle und flexible Eingehen auf die Bedürfnisse der Kunden, die Produktion in Deutschland, das ausführliche Qualitätsmanagement und vieles mehr“, resümierte Oksana Polytska von Style Ltd aus dem westukrainischen Kalush.

Von Lisa Schäfer
Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, Westerham