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Führungskräfte aus Zentralasien treffen Hidden Champion im Rheinland

[12.11.2018]

Im Juni 2018 empfing die TÜV-Rheinland Akademie im Rahmen des Managerfortbildungsprogramms Führungskräfte aus Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan in Köln. Eine Gruppe mit MP-Teilnehmern aus den drei zentralasiatischen Ländern ist eine Besonderheit und brachte die Wirtschaftsvertreter der Region Zentralasien einander näher. So führte die Fortbildung zur Geschäftsanbahnung zwischen deutschen und ausländischen Unternehmen und war gleichzeitig Impulsgeber zur Förderung der regionalen Wirtschaftszusammenarbeit.

Während des theoretischen Trainings „How to do Business with Germany“ lernten die Teilnehmer die Besonderheiten der deutschen Wirtschaft kennen – auch die im internationalen Vergleich kleiner und mittelständischer Unternehmen sehr erfolgreichen „Hidden Champions“.

Was sind „Hidden Champions“?

Als „Hidden Champion“ gelten mittelständische Unternehmen, die in Nischen-Marktsegmenten Marktführer sind. Durch die Fokussierung auf kleine, meist Premium-Marktsegmente, stehen Hidden Champions nicht im Preiskampf mit Konzernen oder Großunternehmen. Diese Positionierung erlaubt ihnen eine hohe Spezialisierung und eine signifikant hohe Kundennähe. Die „heimlichen Gewinner“ sind in der Öffentlichkeit eher unbekannt, meist Familienunternehmen und gelten als Triebfeder des deutschen Exporterfolges.

Auf die Theorie folgte die Praxis und damit ein Besuch bei der LAD GmbH in Troisdorf, einem Hidden Champion im Bereich der Aufbereitung von Lebensmittelverpackungen. Das inhabergeführte Unternehmen produziert und vertreibt seit 2005 hochwertige Saugeinlagenmaschinen für die Lebensmittelindustrie. Die Saugeinlagetücher werden zur Feuchtigkeitsabsorption in Plastikschalen fixiert. In den Packstationen der Kunden werden Fleisch, Fisch oder Beeren darin angerichtet. Zu den Kunden des Unternehmens gehört eine Vielzahl von namhaften Supermarktketten.

Der Geschäftsführer des Unternehmens, Alexander Stieben, empfing die zentralasiatischen Manager gemeinsam mit seiner Tochter, die bei LAD das Personal verantwortet. Auf Anhieb entstand eine zwanglose Atmosphäre, zumal Herr Stieben und seine Familie vor einiger Zeit selbst aus Kasachstan nach Deutschland migrierten. Daher gab es viele gemeinsame Themen, gegenseitige Fragen und eine gemeinsame Sprache: Russisch.

Zunächst präsentierte Stieben sein Unternehmen und dessen Produktion und stellte seine Erfahrungen im Aufbau und in der Führung eines Unternehmens in Deutschland den gängigen Businessmodellen und der Unternehmensführung in Kasachstan gegenüber. Da er bereits im Heimatland unternehmerisch tätig war, erläuterte er anhand konkreter Beispiele die Unterschiede. Die zahlreichen Fragen zum deutschen Besteuerungssystem, zur Mitarbeiterführung, zu den Sicherheitsbestimmungen und den bedeutendsten juristischen Begebenheiten zeigten einmal mehr das Interesse der Führungskräfte an dem Unternehmensbesuch. Bei der anschließenden Führung beobachteten die Unternehmer die Maschinen in Aktion. Modernste Ultraschall-Verschweißtechnologie fixiert die Saugeinlagetücher an zwei bis fünf Punkten in den Plastikschalen und ermöglicht auf diese Weise die höchsten Hygienestandards.

Die MP-Teilnehmer überraschte, dass das Unternehmen seine enge Spezialisierung bewusst beibehält und keinerlei Diversifikation anstrebt. Als mittleres Wachstumsunternehmen sei LAD nicht auf den Massenmarkt fokussiert, erläuterte Stieben, und verfolge keine Kostenführer-Strategie. Gerade die starke Spezialisierung auf eine begrenzte Produktsparte ermögliche die gleichbleibende Qualität und Innovation in der Produktion, die eine Preis-Premiumstrategie begründe. An diesem Unternehmensbeispiel erfuhren die Teilnehmer aus erster Hand, wie man die theoretischen Konzepte im realen Geschäftsleben implementieren kann. Denn das Konzept des „Hidden Champions“ steht im strategischen Management dem „Marktanteilskonzept“ gegenüber, bei dem Unternehmen möglichst große Marktanteile erringen sollen, um von den Größenvorteilen zu profitieren.

Viele der zentralasiatischen Führungskräfte zeigten sich von diesem Ansatz zutiefst beeindruckt und planen Elemente daraus in ihre zukünftige Unternehmensführung einfließen zu lassen. Die sechs Vertreter der Lebensmittelindustrie interessierten sich besonders für die Saugeinlagenmaschinen. Zwei der Teilnehmerinnen nahmen Produktmuster mit nach Hause, um diese dem eigenen Team vorzustellen und eventuell die Verfahren im eigenen Produktionsprozess zu integrieren.

LAD ist bereits auf dem russischen Markt präsent und plant eine Expansion nach Kasachstan. Umso mehr freute sich Stieben über diese großartige Chance neue Kontakte zu potentiellen, zukünftigen Kunden aus Zentralasien zu knüpfen.

TÜV Rheinland Akademie