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Change Management live erleben

Mit Mut und Weitblick Veränderungsprozesse in einem mittelständischen Unternehmen managen – wie das funktioniert, konnte die zweite chilenische MP-Gruppe, die die Conoscope GmbH im Mai in Leipzig empfing, beim Besuch der IMM electronics GmbH hautnah erleben.

Der Firmengründer und Inhaber Prof. Detlev Müller empfing die chilenischen Führungskräfte persönlich. In 27 Jahren an der Spitze von IMM führte er diese vom Einzelunternehmen über die IMM Gruppe mit sechs Firmen zur heutigen IMM electronics GmbH. Die IMM electronics GmbH beschäftigt heute 140 Mitarbeiter an zwei Standorten und ist einer der größten Arbeitgeber der Region Mittweida.
Der Zeitpunkt des Besuchs konnte für die chilenischen Führungskräfte nicht günstiger sein. Denn nach zwei Jahren Vorbereitung stand gerade der Führungswechsel an – mit der Einführung eines neuen Geschäftsverteilungsplanes und der Übergabe der Hauptgeschäftsführung des Firmengründers und bisherigen CEO an seinen Nachfolger.

Die Geschichte der Unternehmensgruppe, die Steuerung der Veränderungsprozesse über Jahrzehnte hinweg und die aktuellen Herausforderungen im Zuge des Geschäftsführerwechsels standen daher im Zentrum des Vortrags von Prof. Müller, der seine persönlichen Erfahrungen gerne mit den chilenischen Führungskräften teilte.

Vor allem die jüngeren Delegationsteilnehmer waren beeindruckt, wie deutsche Gründer und Eigentümer über Jahrzehnte hinweg durch ihre enorme Einsatzbereitschaft ihre Familienunternehmen aufbauten und lenkten. „Das langjährige Engagement des Gründers in seinem Unternehmen ist bemerkenswert“, so ein MP-Teilnehmer. Außer dem gerade stattfindenden Changemanagement, ist IMM gleichzeitig ein gutes Beispiel für Innovationsmanagement im Mittelstand. So stehen bei der Einzelfirma prostartup die Unterstützung von Start-ups und die Kooperation mit diesen im Fokus.

Neben der Thematisierung des allgemeinen Managementthemas sahen viele Führungskräfte der Gruppe fruchtbare Anknüpfungspunkte zu ihren Geschäftsinteressen und vereinbarten Folgetermine. Julio Quiroz, Partner und Entwickler des chilenischen Unternehmens Mego, erörterte bei einem weiteren Gespräch beispielsweise konkrete Kooperationsmöglichkeiten zwischen IMM und seinem Unternehmen, welches Videospiele, mobile Apps und interaktive Software für chilenische und ausländische Unternehmen entwickelt.

Die IMM electronics GmbH war nicht der einzige Unternehmensbesuch der Gruppe. Während ihrer vierwöchigen Fortbildung in Deutschland besuchten die 21 chilenischen Führungskräfte 13 weitere Betriebe und Institutionen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg.

Neue Erkenntnisse und Erfahrungen sammelten die Manager und Unternehmer auch bei der MRH Mülsener Rohstoff- und Handelsgesellschaft. Das Unternehmen mit insgesamt 60 Mitarbeitern recycelt alte Reifen. Das daraus entstehende Gummigranulat und -mehl wird in Bodenbelägen, im Straßenbau oder zur Herstellung von Bodenmatten verwendet.

Das chilenische Unternehmen Rubtec SpA aus San Pedro de la Paz profitiere besonders von dem Besuch. Genau wie MRH produziert es recyceltes Gummigranulat und deren Folgeprodukte. Rubtec möchte gerne mit dem deutschen Unternehmen kooperieren, um seine eigenen Fertigungstechniken zu erweitern. Erste Gespräche ebneten den Weg dafür, und nun prüfen beide Firmen, ob die Produkte des jeweils anderen das eigene Angebot sinnvoll ergänzen können.

MRH engagiert sich gemeinsam mit der Schwesterfirma Polymer Technik Mülsen GmbH sehr für die Nachwuchsförderung und steht somit exemplarisch für eine vorbildhafte Personalpolitik eines mittelständischen Unternehmens im ländlichen Raum. Schulabgänger und Quereinsteiger haben nicht nur die Möglichkeit, eine duale Berufsausbildung im Unternehmen zu absolvieren, sondern auch die eines dualen Studiums. Willy Albert, Student des dualen Studiengangs Mittelständische Wirtschaft der Berufsakademie Glauchau, stand den Teilnehmern Rede und Antwort und berichtete über seine Motivation als Student der Polymertechnik Mülsen: „Für mich hat das duale Studium den Vorteil, von Anfang an Praxiserfahrung im Unternehmen zu sammeln und nicht nur theoretische Inhalte an einer Hochschule zu behandeln.“

Diese Form der Nachwuchsförderung war für viele chilenische Unternehmer unbekannt – und so wundert es nicht, dass sie daran besonders interessiert waren.

Von Uwe Becher und Kathleen Brooks
CONOSCOPE GmbH, Leipzig
www.conoscope.de